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Verfilmung: Die Buchhandlung (der Florence Green)

"Die Buchhandlung" von Penelope Fitzgerald ist ein charmanter Kurzroman über Florence Green, die in einem kleinen Dorf eine Buchhandlung eröffnen möchte. Doch eigentlich liest dort niemand und man will das Haus lieber für ein Kulturzentrum nutzen - ich musste an "Chocolat" denken, als Vianne gegen alle Widerstände ihren Laden eröffnet. A propos Widerstand: als seien die Dorfbewohner nicht genug, lebt in der Buchhandlung ein Poltergeist!

 

Das Buch stammt aus dem Jahr 1978, spielt 1959 und ist dementsprechend nicht so reißerisch und abenteuerlich wie aktuelle Romane. Er ist sehr ruhig und man muss aus heutiger Perspektive sehr genau hinlesen, um die Spitzen, die gegen Florence und ihre Buchhandlung vorgebracht werden, zu erkennen. Andererseits muss man sich ebenso auf den leisen, subtilen Humor einlassen, um die feinen Witzeleien zu bemerken.

Wie bei "Warm Bodies", das ausschließlich aus interner Perspektive geschrieben war, fragte ich mich unweigerlich, wie man diesen ruhigen Roman mit Gedankensträngen der liebenswürdigen Buchhändlerin für ein heutiges Publikum verfilmen wolle.

 

Die Verfilmung ist gut gelungen, teils mit wörtlichen Zitaten, auch wenn einige Szenen nicht wie in der Buchvorlage umgesetzt wurden, aber dennoch die Aussage treffen. Er ist passend ruhig gehalten und nicht modernisiert oder um unnötige Spannungsbögen erweitert worden.

Was ich witzig fand, war, dass die kurzen, amüsanten Briefe im Buch nicht - wie heute oft üblich - eingeblendet wurden, sondern dass die Schreibenden sie dem Publikum vorgetragen haben. Das hat die Witzeleien nochmal aufgepeppt.

 

Dem scharfen Bibliophilenauge werden ein paar Anachronismen auffallen, so stehen in Florences Filmbuchhandlung die Penguin Clothbound Classics Ausgaben, die jedoch erst seit 2008 erscheinen. Diese sind aber im Regal so hübsch anzusehen, dass wir darüber hinwegsehen wollen. Außerdem fragt Mr. Brundish Florence, ob Ray Bradburys "Dandelion Wine" wohl bald erscheinen wird - dieses erschien erstmals 1957 (überhaupt existierte die Ray-Bradbury-Fixierung im Buch nicht).

Ein klarer Minuspunkt: Der Poltergeist fehlt im Film völlig - er war zwar nicht handlungsrelevant, hat dem Ganzen aber eine Prise magischen Realismus verliehen.

 

Spoiler (Text markieren zum lesen): Ich war etwas irritiert, dass sie das Ende geändert haben - im Buch verlässt Mr. Brundish zum ersten Mal seit Jahren sein Haus, um für Florence einzustehen und stirbt dann, sodass Florence nie von seiner Wohltat erfährt. Im Film spricht er vorher mit ihr, um ihr Mut zu machen, doch dadurch wird sein spektakulärer Auftritt etwas geschmälert.

Dass Christine die Buchhandlung am Ende abbrennt (nicht im Buch!!!) ist dagegen umso spektakulärer...

 

Insgesamt würde ich euch die Verfilmung empfehlen, die vielen Szenen in der Buchhandlung sind ein Augenschmaus und Bill Nighy ist großartig, - allerdings habe ich die 150 Seiten in etwa derselben Zeit gelesen, wie der Spielfilm lang ist (1:52), es bleibt also euren Zeitplänen überlassen.

 

Der Film läuft gerade auf Amazon Prime und ist auf DVD erhältlich.

 

"Ein gutes Buch ist der kostbare Lebenssaft eines meisterlichen Geistes, einbalsamiert und aufbewahrt

zum Zweck eines Lebens über das Leben hinaus, und insofern ist es ein überlebensnotwendiges Gut."

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zuletzt aktualisiert 16.07.2019