Alexander McCall Smith: Isabel Dalhousie Mysteries

1. The Sunday Philosophy Club ♠♠♠

Isabel Dalhousie sitzt gemütlich im Konzert in Edinburgh, als mir nichts, dir nichts, einfach jemand tot von den oberen Rängen fällt. Schockiert und irritiert lässt sie der Fall nicht los - immer wieder begegnen ihr Hinweise im Alltag. Eigentlich will sie den Vorfall nur vergessen, doch nach und nach (sehr langsam - diese Ermittlerin braucht wirklich lange zum Reinkommen) findet sie ein paar Puzzleteile...

 

Im Gegensatz zur bodenständigen, mit den Händen arbeitenden und Schokolade liebenden Brooke Wainwright ist Isabel eine echte High Society Lady. Sie geht auf Vernissagen, hat Philosophie studiert und spielt Klavier.

Etwas irritiert hat mich, dass bis zur vorletzten Seite nicht klar war, ob der arme Tote wirklich nur unglücklich gefallen ist oder gestoßen wurde. Bei den anderen Cozies ist alles logisch: ein Tote*r, ermordet, und eine Person, die gar nicht zur Polizei gehört, ermittelt auf eigene Faust. Doch Isabel weigert sich, sich in diese kriminelle Welt ziehen zu lassen und macht daher nur ein paar seeehr diskrete Nachforschungen bei Bekannten. Immer wieder geht es auch um Ehrlichkeit und Wahrheit - da Isabel Herausgeberin eines Philosophie-Magazins ist, tauchen hierzu gehäuft Artikel auf.

Ich dachte, das wird ein Cozy Mystery, wie die anderen - kurzweilig und spannend. Doch Isabel lässt sich nicht hetzen. Obwohl sie nur 250 Seiten hat, habe ich gefühlt 3 Wochen daran gelesen (ok, es waren nur 5 Tage), es war nie klar, ob es überhaupt etwas zu ermitteln gibt und es geht vornehmlich um die Gesellschaft in Edinburgh und erheblich weniger um den "Fall" (pun intended).

 

Erst entdecke ich bibliophile Krimis, jetzt stelle ich fest, dass es eine ganze Reihe Highland-Krimis gibt! Da muss ich natürlich gleich zuschlagen, weitere werden definitv folgen.

Interessant waren für mich diese ganzen kleinen Kommentare über das Leben in Schottland, was man - sofern man dort nicht aufgewachsen ist - so nicht mitbekommt.

Auch wenn es also in anderer Hinsicht interessant war, als erwartet, werde ich dennoch erstmal nicht weiterlesen.

Der titelgebende Sunday Philosophy Club hat übrigens gar keine Auftritt - die Gesellschaft ist seit ewigen Zeiten nicht zusammengekommen, weil es sonntags immer anderes zu tun gibt...

 

Wer also zu seiner Krimisuppe mit Edinburgh-Einlagen auch noch etwas Kulturgarnitur möchte, ist hier richtig. Ich möchte diese Rezension jedenfalls direkt mit abgespreiztem kleinen Finger schreiben...

 

~ Lilith ~

05.05.2019

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zuletzt aktualisiert 11.09.2019