Lesungsrezension: M'era Luna 2016

Einmal im Jahr pilgert die Gothic-Gemeinde Europas nach Hildesheim, um auf dem M'era Luna ein großes Familienfest zu begehen. Man kann tragen, was man will, man kann sagen, was man will, man kann die leckersten Sachen essen, und für Literaturfans wird auch gesorgt: Freitag Abend, als erstes Highlight, geben sich drei Autoren der deutschen Autorenszene die Ehre, um ihre neusten Werke zu präsentieren, zu signieren und sich unter den schwarzen Verrückten zu tummeln.

 

In diesem Jahr:

~ Markus Heitz

~ Luci van Org

~ Christian von Aster

Markus Heitz, Urgestein der deutschen Fantasy-Literaturszene, präsentierte sein neues Werk Wedora. Ein Buch, das eigentlich perfekt zum Mera gepasst hätte, verwandelt sich der Flugplatz doch sonst im August in eine Wüste. Jedoch nicht heute - es regnete und Herr Heitz witzelte, jetzt müsse er den Roman umschreiben.

Die neuen Charaktere und ihre Beziehungen waren aufregend gestaltet und natürlich hörte er an der spannendsten Stelle auf zu lesen. Gemein!

 

Er signierte mir netterweise bereits vor der Lesung "Aera", sozusagen als Aufwärmtraining vor dem großen Ansturm.

Als Zweite las Luci van Org, ihres Zeichens Musikerin, Schriftstellerin und Schauspielerin. Im Prinzip ein Multitalent mit perfekten Haaren. Sie hat fraglos das Meiste aus ihrer 45-minütigen Redezeit rausgeholt:

 

Als Erstes las sie aus "Schneewittchen und die Kunst des Tötens", einem BDSM-Roman mit abstrusen Einlagen.

Während einer kurzen Lesepause sang sie "Mutterherz" ihrer Band "Üebermutter", wobei sie sich selbst mit der Gitarre begleitete.

Nach einem weiteren Abschnitt aus "Schneewittchen" folgte erneut eine musikalische Unterbrechung - absolutes Gänsehaut-Feeling, als eine Halle voller Goths "Halleluja" sang.

Schließlich las sie aus ihrem noch unveröffentlichten "Familienbuch der nordischen Sagen", eine Übersetzung der Edda.

Abschließend verzauberte sie das Publikum mit dem ersten Merseburger Zauberspruch, den sie aus vollem Halse in die riesige Halle schmetterte (hier nachzuhören). Ein wirklich magischer Augenblick; man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

 

Auf Luci van Org war ich besonders gespannt. Ihre Gesangskarriere sagt mir geschmacklich zwar meist nicht zu, aber dafür habe ich mich bei "Heim Herd Hund" vor Lachen von der Couch gerollt. Dementsprechend war ich mit jeweils einer Ausgabe "Schneewittchen" und "Frau Hölle" bewaffnet, die sie auch liebevoll signierte.

Traditionell zum Schluss las Christian von Aster. Seine Grufti-Verarschen sind inzwischen Kult und da die meisten kommen, um ihn zu sehen und die anderen Autoren nach ihm nicht vor leeren Stühlen sitzen sollen, wurde er wie immer am Ende platziert. Ebenfalls traditionell machte er seine Schreibkünste erstmal nieder ("nicht so erfolgreich wie Heitz, nicht so witzig wie Org"), bevor er uns mit den Ergüssen des letzten Jahres amüsierte.

 

Zunächst trug er einige "Viecherverse" aus seinen kryptozoologischen Forschungen vor, die auf viel Gelächter stießen. Doch Herr von Aster war nicht wegen des Applauses gekommen, sondern um seine Forschungen der Öffentlichkeit vorzutragen.

Als Zweites las er aus seinem neuen Buch "Höllenherz", auch hier amüsant und kurzweilig.

Schließlich die heißersehnte Grufti-Verarsche, auch wenn es dieses Jahr weniger um die Gothic-Gemeinschaft, sondern um die Opa-Paparazzis ging, die ungefragt Fotos von den kreativen Outfits schießen. Nachdem ich den Text letztes Jahr nicht so lustig fand, war Asti dieses Jahr wieder voll auf humoristischem Höhenflug.

Zu guter Letzt gab es noch eine Gute Nacht Geschichte, bevor alle in die Nacht verschwanden.

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Kommentare: 2
  • #1

    Santiago (Montag, 15 August 2016 20:47)

    Luci war wirklich großartig!
    Ihre Lesungen waren beide sehr interessant und ich bin schon gespannt auf die Lektüre!

  • #2

    agga (Dienstag, 16 August 2016 15:34)

    Super Artikel! Ich finds immer wieder geil, wie perfekt deine Verlinkungen funktionieren.