Sergej Lukianenko - Die Wächter Reihe

Seit Anbeginn der Zeit leben sie unter uns – die Anderen: Vampire, Tiermenschen, Hexen, Zauberer und andere übernatürliche Wesen. Wenn ihre magischen Fähigkeiten erwachen und sie zum ersten Mal das Zwielicht betreten – eine mehrschichtige, magische Astralebene unserer Welt, aus welcher jegliche Magie entspringt – entscheiden sie sich entweder für das Licht oder für das Dunkel.

Als der Krieg zwischen Licht und Dunkel die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht hatte, wurde ein Waffenstillstand, der Große Vertrag, geschlossen. Von da an überwachten die Wächter der Nacht die Aktivitäten der Dunklen und beschützten die Menschheit, während die Wächter des Tages dafür sorgten, dass die Lichten den Waffenstillstand nicht dazu nutzten, die Oberhand zu gewinnen. Jene Pragmatiker, die den Glauben an die Ideale ihrer Seite verloren hatten, die Grauen, formten die Inquisition, welche beide Seiten überwachte und für die Einhaltung des Großen Vertrages sorgte. Doch nun scheint der jahrhundertealte Frieden gefährdet und das Schicksal nicht nur der Anderen, sondern der ganzen Welt in Gefahr.


Bekannt wurde diese Bücherreihe durch die recht erfolgreiche Verfilmung „Wächter der Nacht“, die jedoch bei weitem nicht an die Vorlage heranreicht.Jeder der sechs Bände besteht aus drei scheinbar unabhängigen Geschichten, die jedoch in einem gemeinsamen Finale enden und dem Leser den großen Zusammenhang offenbaren. Der Film „Wächter der Nacht“ behandelte nur eine der Geschichten aus dem gleichnamigen Band und wurde zudem deutlich vereinfacht, sodass man diesen wirklich nicht beachten, sondern sich auf die spannende Buchreihe einlassen sollte.

Mit seinen Wächtern schuf Sergej Lukianenko eine faszinierende Realität, die wirklich einzigartig ist. Dabei liegen die Faszination und die Einzigartigkeit dieser Geschichten nicht nur in den zahlreichen, interessanten Details, sondern in den vielschichtigen Handlungen sowie den tiefgründigen Charakteren voller spannender Vergangenheit. Fernab des üblichen, klischeehaften Gut-gegen-Böse lernen wir bei den Wächtern Dunkle zu schätzen und Lichte zu verachten, aufgrund dessen wer sie sind und was sie getan haben, nicht aufgrund von Etiketten und Parteien. Jeder hat seine Schwächen, jeder hat seine Geheimnisse. Jeder hat Geschichten, die erzählt werden müssen, ob sie gefallen oder nicht.

Die Plots brillieren mit fesselnder Vielschichtigkeit, mitreißender Spannung und unerwarteten Wendungen, umso mehr, da die späteren Handlungsstränge immer wieder auf Ereignisse und Begebenheiten der vorherigen Bände zurückgreifen, weswegen es sich auch anbietet, die Bücher hintereinander zu lesen.

Lukianenko gelingt das sehr seltene Kunststück, sich mit jedem neuen Band selbst zu übertreffen und ein noch spannenderes Buch abzuliefern, sogar noch mehr als J.K. Rowling in ihrer Harry-Potter-Reihe oder Kim Harrison in ihrer Hollows-Serie. Die Geschichten werden nicht nur von Band zu Band spannender, sondern auch vielschichtiger, komplexer, geheimnisvoller. Und immer häufiger denkt man als Leser: „Oh mein Gott, das darf nicht wahr sein!“


1. Wächter der Nacht


Der junge Wächter der Nacht Anton Gorodezki erhält den Auftrag, zwei junge Vampire zu fangen, die sich verbotenerweise von Kindern ernähren. Dabei rettet Anton eines der Opfer, den Jungen Jegor, der sich als ein potentieller Anderer entpuppt und dessen Zukunft mit der von Anton verknüpft zu sein scheint. Zugleich bemerken die Wächter der Nacht eine junge Frau, auf der ein machtvoller Fluch lastet, der ganz Moskau vernichten wird, wenn er nicht rechtzeitig aufgelöst werden kann – was sich alles andere als einfach gestaltet, denn dazu müsste man seinen Ursprung finden. Ein gefährliches Rennen gegen die Zeit beginnt. Als wäre das nicht genug, ermordet jemand dunkle Andere und alle Spuren zeigen auf Anton – die Wächter des Tages fordern seine Auslieferung. Und was hat es mit der geheimnisvollen Schicksalskreide auf sich?


2. Wächter des Tages


In diesem Band rücken die Wächter des Tages in den Mittelpunkt und wir erblicken eine vollkommen menschliche und nachvollziehbare Seite an den sogenannten „Dunklen“. Durch einen heftigen Kampf sämtlicher Kraft beraubt, wird die dunkle Hexe Alissa Donnikowa in Kur geschickt, doch ihrer magischen Fähigkeiten beraubt gerät sie hilflos in eine nur zu menschliche Situation – das Schicksal nimmt seinen Lauf. Auch in Moskau geschieht Merkwürdiges, denn ein unbekannter Anderer greift sowohl die Dunklen als auch die Lichten an und scheint dabei unbesiegbar zu sein – ein Rätsel, das beide Seiten beschäftigt. Und dann mischt sich auch noch die Inquisition ein und zwingt beide Wachen vor ein Tribunal…


3. Wächer des Zwielichts


Zur Verwirrung aller Wächter tauchen Hinweise auf, dass ein Mensch versucht, Andere zu erpressen, um selbst zu einem Anderen gemacht zu werden, etwas das völlig unmöglich ist. Zumindest, bis das sagenumwobene Buch Fuaran plötzlich auftaucht und so manches Unmöglich geglaubte ermöglicht. Beide Wachen sowie die Inquisition beginnen eine wilde Jagd durch ganz Asien. Doch wer hat das Fuaran gestohlen und wozu?


4. Wächter der Ewigkeit


Anton Gorodezki wird nach Edinburgh geschickt um einen höchst mysteriösen Mord zu untersuchen, der scheinbar von Vampiren begangen wurde. Seltsamerweise bitten gerade die Wächter des Tages um Antons Hilfe und sogar der mächtige Dunkle Sebulon gewährt Anton Unterstützung. Doch was ist in Edinburgh wirklich passiert? Und was hat es mit dem Kranz der Schöpfung auf sich, einem mächtigen Artefakt, welches Merlin selbst, einer der mächtigsten Magier aller Zeiten, geschaffen hat? Und welche Hilfe erhofft sich der Hohe Lord Geser von der kleinen, unbedeutenden Wache in Samarkand?


5. Wächter des Morgen


„Sie sind Anton Gorodezki, ein Hoher Lichter, Vater von Nadja Gorodezkaja, der Absoluten Zauberin, und sie werden uns alle…“

Leider kann der junge, noch nicht initiierte Prophet Innokenti Tolkow seine große Prophezeiung nicht zu Ende aussprechen, weil er aus der Trance gerissen wird, doch beiden Wachen ist klar: eine solche Prophezeiung, die auch noch einen Hohen Anderen betrifft, wird globale Folgen für alle Anderen haben.

Im gleichen Augenblick als diese ausgesprochen wird, erscheint nicht weit entfernt ein Wesen, welches der Polizist Dima Pastuchow als „Tiger“ bezeichnet. Und das kann nichts Gutes bedeuten, denn Dima hat die Gabe, Andere zu erkennen und er bezeichnet alle Lichten als Hunde und alle Dunklen als Wölfe. Was ist dann ein Tiger?


6. Die letzten Wächter


Eine unbekannte Vampirin übermittelt mit den Initialen ihrer Opfer eine Nachricht an die Wächter der Nacht. Als kurz darauf alle Propheten der Welt gleichzeitig die gleiche Prophezeiung aussprechen und damit nicht nur die Ermordung der Absoluten Zauberin, sondern auch das Ende der Welt ankündigen, schließen sich die beiden Wachen zusammen um gemeinsam der Bedrohung entgegenzutreten. Ausgerechnet die Bodyguards der Absoluten Zauberin richten sich mit ungeahnten Kräften gegen sie und ausgerechnet die unbekannte Vampirin rettet sie im letzten Augenblick. Doch wer ist die Vampirin? Und wer ist der Zweieinige? Und was hat es mit der Sechsten Wache auf sich?


Es sei so viel verraten: ein würdiges und spektakuläres Ende der Wächter-Reihe wird garantiert.



„Ich sehe Lichte, die töten und Dunkle, die heilen. Gibt es da überhaupt noch irgendeinen Unterschied, Boris Ignatjewitsch?“

„Den gibt es. Nur einen, aber der macht den Unterschied aus. Wenn ein Dunkler das Zwielicht betritt, denkt er dabei an sich. Ein Lichter denkt dabei an andere.“


Adam

9.6.15


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