Die neuen Abenteuer der Wächter

1. Licht und Dunkelheit ♠♠♠♠

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Vielen Dank an Doreen Liebing für die Überlassung eines Rezensionsexemplars!

 

Vorweg muss ich zugeben, dass ich nach dem spektakulären und endgültigen Finale in „Die letzten Wächter“ der neuen Wächter-Reihe sehr skeptisch gegenüberstand. Sicher geht es auch anderen so, allerdings bin ich sehr froh, ein Rezensionsexemplar erhalten und gelesen zu haben, denn ich wurde sehr positiv überrascht und kann jedem Fan der Wächter auch die neue Reihe sehr ans Herz legen.


Das Konzept der neuen Reihe dreht sich nicht um die Frage, wie es nach den letzten Wächtern weitergehen könnte, sondern vielmehr um die Frage, ob die kleine Handvoll von Anderen um Geser, Sebulon und Gorodezki die einzigen Wächter auf der ganzen Welt sind, die spannende Abenteuer erleben und große Geheimnisse aufdecken. Und die Antwort auf diese Frage lautet zweifelsohne: „NEIN!“. Keine Sorge, sehr viele alte Bekannte einschließlich der drei zuvor genannten Wächter haben kleinere und größere Gastauftritte, im Mittelpunkt stehen jedoch neue, ebenso spannende Charaktere.


Band 1 der neuen Wächter ist zeitlich zwischen den „Wächtern des Zwielichts“ und den „Wächtern der Ewigkeit“ (also zwischen Band 3 und 4 der alten Serie) angesiedelt und spielt nicht in Moskau, sondern an einem Internat und größtenteils in St. Petersburg.


In den Bemühungen, die friedliche Koexistenz zwischen Lichten und Dunklen zu verbessern, ist von beiden Seiten und unter der Führung der Inquisition eine Internatsschule für Andere gegründet worden. Im Gegensatz zu Hogwarts soll es hier jedoch keine „Häuser“ und keinen Wettstreit geben, Lichte und Dunkle sollen Hand in Hand zu Teamplayern werden und die Unterschiede verschwimmen. Doch obwohl eine undurchdringliche magische Barriere die Schüler daran hindert, das weitläufige Schulgelände zu verlassen, fallen plötzlich streunende Werwölfe Menschen im Wald zwischen der Schule und den benachbarten Dörfern an. Droht der Schule eine Bedrohung? Oder handelt es sich nur um einen ausgeuferten Streich der Schüler? Und was hat es mit der geheimnisvollen Anna auf sich, die von ihrer Mutter zur Polizei gebracht wurde, weil in ihrem Zimmer unbezahlbar teure elektronische Spielereien wie aus dem Nichts auftauchen, einschließlich eines Handys, das noch gar nicht erfunden wurde?


Im Mittelpunkt des Bandes steht das Internat und seine Schüler, aber auch die Inquisition. Während diese „Grauen“ in der alten Serie immer wieder eine sehr gewichtige Rolle spielten, man jedoch fast nichts über sie erfuhr, wird nun die Inquisition – auch von Innen heraus – sehr sorgfältig beleuchtet. Doch je tiefer wir in die Geheimnisse der Inquisition eintauchen und je mehr wir darüber erfahren, desto mehr neue Fragen tauchen auf, bis zu der vermutlich wichtigsten: wer hat dort überhaupt das Sagen, wer überwacht und kontrolliert die wohl mächtigste und gefährlichste Organisation der Welt?


Lukianenko hat es geschafft, „Licht & Dunkelheit“ nicht nur ebenso spannend wie die alte Serie zu schreiben, sondern auch die erwartete Atmosphäre zu schaffen, eine gelungene Mischung aus Altgeliebten und aufregendem Neuen. Die Gastauftritte der altbekannten Charaktere wirken keineswegs wie aus strategischen Zwecken künstlich platziert, sondern ergeben sich unweigerlich aus dem Verlauf der Geschichte selbst. Die Vielschichtigkeit der Charaktere lässt uns wie gewohnt Sympathie und Verständnis für die Dunklen finden und Kritik an Lichten üben. Die ernsten Themen und die bedrohliche Stimmung werden oft von witzigen Anspielungen auf die Popkultur aufgelockert, bei denen Lukianenko nicht scheut, sein Werk selbst indirekt mit einem Augenzwinkern zu versehen. Eine wirklich spannende Lektüre, die Lust auf mehr weckt.


Band 2 und 3 der neuen Reihe sind in Vorbereitung.


Adam

18.11.2015


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