Roberto Saviano - Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra

Um kurz den Inhalt dieses Buches, das bereits 2007 in deutscher Sprache publiziert wurde, zusammenzufassen: Der Autor gibt Einblick in die Machenschaften der kriminellen Organisation Camorra in und um Neapel. Die ersten Kapitel des Buches beziehen sich auf einen sehr wichtigen wirtschaftlichen Bereich der einzelnen Clans der Camorra, die Textilindustrie. Neapel ist einer der wichtigsten Häfen Europas für Importgüter aus Ostasien, vor allem China. Laut Angaben des Autors „werden im Hafen von Neapel sechzig Prozent der Güter an der Zollkontrolle vorbeigeschleust, zwanzig Prozent der Papiere werden nicht kontrolliert, und 50 000 Dokumente werden gefälscht“ (Hanser 2007, 15-16). Und alles fließt in die Taschen der Clans von Neapel.

Der Autor beschreibt anhand vieler Beispiele und persönlicher Erfahrungen das Leben der normalen Leute in von den Clans beherrschten Gebieten. Und er beschreibt die dort herrschenden Machtstrukturen.

Den wirtschaftlichen Machenschaften, die übrigens über die ganze Welt reichen, schließen sich Einblicke in die verschiedenen Clans in verschiedenen Orten an. Saviano berichtet in teils sehr anschaulicher Art und Weise von den Grausamkeiten und blutigen Kriegen der Clans, von den ständigen Machtwechseln. Er greift „berühmte“ Opfer heraus, deren Geschichte er erzählt und er beschreibt den Drogen- und Waffenhandel, und welchen Einfluss all dies gerade auch auf die jüngere Generation in dieser Gegend hat.


Vor diesem Buch hatte ich mich noch nicht mit dem Thema Mafia auseinander gesetzt und zu Beginn habe ich mich auch gefragt, inwieweit ich den Worten des Autors trauen darf. Eine kurze Internetrecherche hat mir dargelegt, dass Saviano, ein italienischer Journalist, nach der Publikation dieses Buches Morddrohungen erhalten hat und seitdem versteckt und mit Personenschutz lebt. Zudem soll er gesagt haben, dass er solch ein Buch mit eben jenen Konsequenzen nie wieder schreiben, geschweige den veröffentlichen würde. Das überzeugte mich, dass ich seinen Worten wohl vertrauen schenken dürfe. Der Inhalt dieses Buches ist sehr informativ und gibt einen Überblick über die (wirtschafts-)kriminellen Organisationen, deren Aktivitäten und Methoden.


„Das Waffenproblem wird in den Eingeweiden der Wirtschaft versteckt gehalten (…). Italien gibt siebenundzwanzig Milliarden Dollar für Waffen aus (…). Berücksichtigt man neben diesen Daten aus der legalen Wirtschaft die drei Milliarden dreihundert Millionen Dollar, die nach Angaben von EURISPES Camorra, 'Ndrangheta, Cosa Nostra und Sacra Corona Unita mit Waffenverkäufen umsetzen, so ergibt sich, dass Staat und Clans zusammengenommen drei Viertel der in der halben Welt zirkulierenden Waffen kontrolliert.“


Sarabandi


Kommentar schreiben

Kommentare: 0