Der letzte Schattenschnitzer ♠♠♠♠

Klett Cotta Hobbit Presse, 2011

 

Vielen Dank an Frau Dambacher für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

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Libri amici, Libri magistri

- Bücher sind Freunde, Bücher sind Lehrer -

 

Christian von Aster ist - so steht zu befürchten - hoffnungslos verrückt. Nachdem ich ihm höchst amüsiert auf den Pfaden von Dunkeldingens Düsterschau und dem Weg des Muffins des Todes gefolgt bin, war ich mächtig gespannt auf sein (meines Wissens nach) erstes großes, 312 Seiten füllendes Abenteuer. Und wurde nicht enttäuscht.

 

Es beginnt mit Jonas Mandelbrodt der, soeben geboren, schon von seinem Hund und seinem Schatten beschützt wird. Er gilt als seltsames Kind, spricht er doch nur innerlich mit seinem Schatten und nicht laut mit anderen Menschen und wird schließlich als Autist abgestempelt.

In einem weiteren Handlungsstrang folgen wir dem Rat der Schatten zu ihrer geheimen Sitzung in einem Fels, wo sie über das Schicksal der Welt beraten und das "Gleichgewicht" zwischen Menschen und Schatten wahren.

Als drittes lernen wir die kleine Maria Hidalgo kennen, ein Mädchen, so seltsam wie Jonas, denn sie wird ohne Schatten geboren und von ihrem Vater sogleich als Touristenattraktion hergerichtet. 

Langsam verstricken sich die Stränge, denn als Jonas' Schatten anfängt, den Jungen in der Kunst der Schattenschnitzer zu unterrichten, bricht er ein altes Gesetz und da mit Maria etwas nicht stimmen kann, werden beide Kinder vom Rat zum Tod verurteilt. Was jedoch keiner zu ahnen gewagt hat ist, dass der Schatten des letzten Schattenschnitzers Ripley aus seinem Gefängnis befreit wurde. Ripley kreierte einen Schatten ohne Wirt, der nun frei auf der Welt umhergeistert. Sollte dieser es schaffen, in den Schattenlimbus einzudringen, würden alle Schatten befreit werden und könnten Besitz von Menschen ergreifen und sie sich Untertan machen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und den mächtigsten Schattenschnitzer aller Zeiten beginnt...

 

Die düsteren Fantasien des Stirnhirnhinterzimmers und seine zahlreichen Lesungen auf Friedhöfen scheinen Christian von Aster den Schatten näher gebracht zu haben, denn wie sonst sollte man auf die Idee kommen, ihnen ein komplettes Buch zu widmen?

Die Hauptperson seines Buches von Anfang seines Lebens an zu begleiten ist eine tolle Idee, auch wenn er zu Beginn den langweiligsten Handlungsstrang darstellt. Allein die mysteriösen Geschehnisse um die neue Bibliothek von Alexandria und den Rat der Schatten lassen einen vorwärtslesen. Auch Jonas' Ende ist relativ vorhersehbar, macht sein Schatten doch durchweg Andeutungen.


Christian erfindet eine ganze Welt, die vor den Augen der Menschen existiert, die diese aber nicht wahrnehmen. Als brave Buchwissenschaftlerin habe ich natürlich mitnotiert, und er erwähnt im Verlauf des Buches immer wieder acht Bücher, von denen nur drei tatsächlich existier(t)en. Jedes Kapitel schließt sogar mit einem Zitat aus dem Schattenwerk "Alchimia Umbrarum" welches angeblich von John Dee verfasst wurde, in Wirklichkeit jedoch nie gedruckt wurde. Schade eigentlich. 


Das Werk ist schön gestaltet, jedes Buch wurde mit einem Deckblatt verziert, welches alchimistisch anmutet und Schattenrisse der beiden Kinder zeigt. Inhaltlich ein fantastisches Abenteuer, welches zwar an die Verrücktheiten aus der Vergangenheit nicht heranreicht, aber von Asters Fantasiereichtum eindrucksvoll demonstriert. Er erfindet sogar neue Spezies, deren Schatten nicht so sind, wie man es erwartet (z. B. der Schatten des Querkrauts fällt immer zur Sonne hin).

 

Der Schatten aller Mythen ist eins. Buddha, Gott, Allah und all die vergessenen Götter werfen am Ende nur einen einzigen Schatten.

 

~ Lilith ~


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