Die Magier von Montparnasse ♠♠♠♠

erschienen bei Klett Cotta Hobbit Presse, 2010

 

Vielen Dank an Frau Schwerda für die Bereitstellung eines Leseexemplars!

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Ich habe erst vor kurzem Plaschkas "Fairwater" gelesen und war einerseits völlig von seiner zauberhaften Sprache begeistert, andererseits völlig verwirrt von dem Gedankenkuddelmuddel des Buches. Da bei "Magier" über jedem Kapitel der Erzählende steht, wäre das schon geklärt, sehr hilfreich. Allerdings manchmal auch nicht weniger verwirrend, da man sich bei jedem Absatz neu orientieren muss.

 

Zur Story: der Magier Ravi und seine Assistentin Blanche reisen in den 1920ern mit ihren Kunststücken um die Welt und folgen dabei nur zwei Regeln: 1. Keine echte Magie anwenden und 2. keine Stücke mit möglicher Todesfolge. Beide Regeln brechen sie an einem bedeutungsvollen Abend in Montparnasse und müssen sich fortan der Societé Silencieuse stellen, die überwacht, dass niemand preisgibt, dass wahre Magie existiert. Es kommt, wie es muss und Ravi wird von mehreren Männern begleitet, die jeder ihr eigenes Geheimnis zu wahren scheinen. Die Societé hat die Zeit angehalten und so ereignet sich der schicksalshafte Tag immer wieder, bis jemand herausgefunden hat, was sich Ravi dabei gedacht hatte, sich in aller Öffentlichkeit preiszugeben.

Jedoch scheint Ravi fast nur eine Nebenrolle unter vielen zu spielen, ist es doch Justine, eine Kellnerin, die die Welt in den Angeln hält.

 

Auch diesmal weiß Plaschka den Leser sofort zu fesseln, indem er mit dem spannenden (schiefgehenden) Abend anfängt und durch seine detailreiche, aber klare Sprache besticht. Ab und zu muss man sich daran erinnern, dass es um magische Geschehenisse geht, denn manches Mal wird es so abgefahren und unglaublich, dass ich mit offenem Mund in der Öffentlichkeit saß. Eben noch kellnert Justine fröhlich herum, im nächsten taucht jemand ohne Bauchnabel auf!

 

Das Cover ist wunderschön gestaltet und an das alte Paris angelehnt. Ich kann das Moulin Rouge fast vor mir sehen. Schön ist auch, dass der Verlag auf eine Einheitlichkeit von außen und innen Wert gelegt hat und somit die einzelnen Kapitel, Seitenzahlen und Initialen ebenfalls in Jugendstil-Schrift gehalten und mit kleinen Bögen verziert sind. Ich wollte mich fast schon aufregen, dass kein Lesebändchen drin ist, als mir ein Lesezeichen mit grinsendem Ravi entgegenfiel. Wunderbar! Außerdem sind die Vorsätze mit Landkarten des alten Montparnasse versehen, die man zum Verlauf der Geschichte allerdings nicht wirklich benötigt. Dennoch toll gemacht!

 

Ein durchweg großartiges Buch, mit absolut irrsinnigen Ideen und einer fantastischen Welt, in einer tollen Aufmachung, an dem kein Fantasy- Fan vorbei gehen sollte. Doch natürlich kommt Plaschka nicht um seine verschachtelte Heimlichtuerei herum und so muss man sich ein ums andere Mal gedulden, denn dieses Mal werden fast alle Rätsel gelöst, und was für eine Auflösung!

Und am Ende möchte man weinen. Nicht wegen dem Ende, sondern einfach, weil es vorbei ist. Mehr! Bitte! Schnell! Danke.

 

Mehr Informationen hier 

 

Lieblingssätze:

"ich nahm bloß an, dass es sich mit Zauberern ebenso verhielt wie mit Malern und Schriftstellern: Sie umgeben sich gerne mit ihresgleichen, damit sie sich weniger seltsam vorkommen."

Justine

"Madame Céleste war ganz bestimmt nicht wie ich, und das hatte nichts mit der Farbe ihrer Haut zu tun, sondern damit, wie sie ihre Haut trug."

Esmée

"Andererseits hat dieses ewige Gesitze um Kristallkugeln immer solch eine possierliche Goldfischromatik"

Barneby

“Autoren nähren sich von der Verwirrung des Lesers wie Vampire von der Unschuld ihrer Opfer.”

 

von Lilith


Zweite Meinung

Solange wir uns wiedersehen

 

Justine hatte bis zu jenem Sonntag nicht viel mit Zauberkünstlern zu tun. Sie arbeitet und lebt als Kellnerin im Jardin, einem Hotel in Montparnasse, Paris. Seit einer Woche jedoch hat sich eben einer dieser "Zauberer" mit seiner Assistentin Blanche im Hotel einquartiert. Sie treten jeden Abend im Bobinoauf!

Doch am letzten Abend, Sonntag Abend, geht etwas schief und Ravi, der "Zauberkünstler" muss echte Magie anwenden, um Blanche - und auch sich selbst - zu retten.

Doch somit bricht er ein altes Gesetz und die Societé Silencieuse,die geheime Gesellschaft der Magier, greift ein. Der schicksalhafte Sonntag beginnt mit jedem neuen Morgen von vorn, bis sich die Rätsel um Ravi, Blanche, Justine und Äpfel gelöst haben.

Und ist auch Ravi der Magier, dem man nicht hinter das stille Lächeln blicken kann, so ist es doch am Ende Justine, um die sich die Welt dreht.

 

Nach Fairwaterwechselte ich bereits ins Lager der Oliver Plaschka-Fans, und dieses Buch hat meine Erwartungen, wie erhofft, erfüllt und zum Teil auch überflügelt. 

Die Geschichte wird von den handelnden Charakteren der Reihe nach und natürlich mit den verschiedensten Standpunkten und Interessenlagen erzählt. Was einem ermöglicht, die Charaktere aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen - und auch wieder nicht, denn jeder der Charaktere weiß, seine Geheimnisse zu wahren.

Von den sprachlichen Qualitäten (klar, detailgenau und trotzdem poetisch - man sieht den Staub im Sonnelicht tanzen) bin ich wieder nur hin und weg und mein Kopf ist voll von funkelnden Bildern. - Kaum etwas anderes konnte mich so bezaubern, wie die Lichtfunken, die um Blanche's Nasenspitze tanzen.

In diesem durchweg wundervollen Buch sind faszinierende und liebenswerte Gestalten und eine fesselnde Geschichte in einem (dem!) bezaubernden Viertel von Paris vereint!



Bei den Lieblingszitaten könnte ich ein Viertel des Buches abschreiben, werde mich aber aus urheberrechtlichen Gründen auf einige wenige beschränken:

Die Vorhänge bauschten sich, und mit den Gerüchen nach Pferden und Tabak und Essen schwammen kleine Lichttupfer aus den Kastanienbäumen vor dem Fenster herein, ließen sich auf dem Bett nieder und umkreisten verspielt Blanches blasse Nasenspitze.



ich nahm bloß an, dass es sich mit Zauberern ebenso verhielt wie mit Malern und Schriftstellern: Sie umgeben sich gerne mit ihresgleichen, damit sie sich weniger seltsam vorkommen. 



"Wie Wolken und Regen und Licht. Ich hätte nicht gedacht, dass Lippen so schmecken können."



"Sie haben Bescheidenheit zu einem Sport gemacht - ein Sport von hohem Ross"

 

Und als letztes:

Autoren waren so viel leichter zu knacken als Frauen.



- Danke! -



von Sarabandi


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