Lewis Carroll

Alice's Adventures Under Ground ♠♠♠♠

Es gibt von der British Library diese wunderschöne Faksimile-Ausgabe des Originalmanuskriptes, aber auch günstigere Ausgaben, die die ausführlichen biographischen Hintergrundinformationen nicht enthalten.

 

Der Großteil des Buches besteht aus bibliographischen Informationen zu Charles Dodgson und den Liddell-Geschwistern. Was allerdings sehr interessant zu lesen ist, wenn man sich für die Bedeutung und die Geschichte der Geschichte interessiert.

 

"Alice's Adventures Under Ground" selbst ist nur 30 Seiten lang. Die Faksimile-Ausgaben bilden das Originalmanuskript ab, inklusive der Zeichnungen von Carroll, der eigentlich nicht malen konnte, aber sich für die kleine Alice größte Mühe gab. Interessant ist auch Carrolls Handschrift, die sehr klein und präzise ist. Ich will mir nicht vorstellen, wie lange er daran gesessen hat.

 

Die Geschichte erzählt von Alice, die dem weißen Kaninchen hinterherjagt und schließlich vor dem Eat Me / Drink Me Problem steht.

Jedoch löst sie das Problem nicht, sondern weint einen See, der sie und einige Tierwesen an eine fremde Küste schwemmt, wo sie einer unguten Begegnung mit der bösen Königin nur knapp entgeht.

 

An dieser Stelle endet die Geschichte bereits, ist aber so niedlich, liebevoll und detailverliebt, dass mir beim Lesen warm ums Herz geworden ist. Ein perfekter kurzweiliger Lesegenuss, um in kindische Grundstimmung für die Weihnachtstage zu kommen.

Alice's Adventures in Wonderland ♠♠♠♠

Ich habe mir diese wunderschöne Gesamtausgabe zugelegt, die alle Werke Lewis Carrolls enthält. Sie ist in blaues Leinen gebunden und hat entsprechend einen blauen Farbschnitt.

 

Alice's Adventures in Wonderland ist fast dieselbe Geschichte wie im Originalmanuskript, nur ausführlicher mit noch mehr verrückten Kreaturen und Abenteuern.

Alice stolpert also wieder ins Wunderland, weint einen See, in dem sie einige seltsame Vögel trifft. Danach begegnet sie der Duchess und deren Grinsekatze (*yay!*).

Nach einem Spaziergang landet sie bei der Teeparty des Märzhasen und des Hutmachers (wieso tragen Verrückte in sämtlichen Medien immer Ringelsocken?!). Nach der Party geht sie durch einen Baum und landet im Garten der roten Königin. Dort darf sie eine Partie Flamingo-Croquet spielen, bevor sie bei einer Gerichtsverhandlung aussagen muss und aufwacht.

 

Das Buch ist durch die weiteren Geschichten / Begegnungen noch absurder und realitätsferner als das ursprüngliche Manuskript. Die "Konversation" der Teeparty widerspricht allen Regeln, Etiketten oder logischen Folgen und ich kann verstehen, dass das manchen Menschen einfach zu absonderlich ist. Als Leserin saß ich teils mit offenem Mund davor und schwanke zwischen "Was zur Hölle habe ich gerade gelesen?" und "Wie zur Hölle kann sich jemand sowas ausdenken?!"

Für mich als Absonderlichkeiten-liebenden Menschen ist es ein Meisterwerk des Schwachsinns und ich werde es gerne immer wieder lesen (mit 100 Seiten ist es dicker als das Original, aber erträglich).

 


“Alice:

Would you tell me, please, which way I ought to go from here?
The Cheshire Cat:

That depends a good deal on where you want to get to.
Alice:

I don't much care where.
The Cheshire Cat:

Then it doesn't much matter which way you go.
Alice:

...So long as I get somewhere.
The Cheshire Cat:

Oh, you're sure to do that, if only you walk long enough.”

 

Through the Looking Glass and what Alice found there ♠♠♠

Die Fortsetzung der Alice-Geschichte...

 

Einige Jahre später spielt Alice mit ihrer geliebten, inzwischen betagten Katze und klettert dabei durch den Spiegel zurück nach Wunderland (in ein anderes Spiegel-Wunderland?).

Dort begegnen ihr all die liebevoll-schrulligen Figuren, die man aus den Filmen kennt, aber in Teil 1 vermisst hat: die sprechenden und die angemalten Blumen, Dideldum und Dideldei, Humpty Dumpty sowie der Kampf zwischen dem Löwen und dem Einhorn. Abschließend findet sich Alice diesmal bei zwei Königinnen (der Roten und der Weißen) und einem absonderlichen Dinner...

 

Eine schöne Ergänzung zu Teil 1 und ich kann mir richtig vorstellen, wie die Liddell Kinder während eines Picknicks um neue Teile einer Alice-Geschichte bettelten und so die episodenhafte Gestaltung der Bücher zustande gekommen ist. Wunderbar als kurze Gutenachtgeschichten oder für Erwachsene vorm Einschlafen.

 

~ Lilith ~

11.12.2013


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Kommentare: 1
  • #1

    Adam (Dienstag, 09 September 2014 14:18)

    Alice im Wunderland gehörte neben Peter Pan zu den beiden Lieblingsmärchen meiner Kindheit und sie bewahrte sich ihren Zauber bis heute. Vermutlich ist es kaum überraschend, dass während meines Psychologie-Studiums Peter Pan an Faszination stark einbüßte, Alice hingegen noch spannender, vielseitiger und faszinierender wurde.

    Daher danke ich Dir vom ganzen Herzen für die schönen Rezensionen.und nehme als Denkanstoß mit, nach all den .Jahren dringend nochmal die Originalwerke zur Hand zu nehmen und sie alle drei begeistert und fasziniert zu verschlingen.

    Danke für diese gute Empfehlung!