Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr ♠♠

Prinzessin Insomnia kann, wie ihr Name schon spoilert, nicht schlafen. Also wandert sie nächtelang durch ihr Schloss, steigt Treppen und spielt mit sich selbst Gedankenspiele, bis der Morgen graut. Ihr Rekord liegt bei 4 Wochen Schlaflosigkeit. Eines Abends sitzt jedoch ein unschöner Gnom, pardon, Nachtmahr, auf ihrer Brust, der nette lilane Herr auf dem Cover. Nachdem er versucht hat, sie zu ersticken, und ihr erklärt hat, dass er sie so in den Wahnsinn treiben wird, dass sie sich irgendwann umbringen wird, entbietet er ihr ein letztes irres Abenteuer: eine Reise in ihren eigenen Kopf, zum dunklen Herz der Nacht.

 

So weit, so gut. Wenn es denn dann irgendwann mal losgehen würde, wäre das ganz fabelhaft. Über 100 Seiten muss der Leser damit zubringen, Tausende Anagramme und Wortneuschöpfungen und Synonyme zu lernen, die sich die Prinzessin in ihrer Langeweile ausdenkt. Ganz ehrlich, da war's mit meiner Langeweile auch nicht weit her. Ich habe irgendwann diese Abschnitte quergelesen, bis der Nachtmahr auftauchte und etwas Handlung mitbrachte. Die Youtube-Leseprobe oben zeigt recht deutlich, was ich meine. Das ist ja mal ganz witzig und vielleicht auch lehrreich, aber 100 Seiten lang?

Als sie dann endlich in ihrem Gehirn sind, fliegen und flattern dort allerlei kuriose Kreaturen, die man aus dem Hirn von Herr Moers ja schon gewohnt ist, herum. Wunderbar bunt illustriert von Lydia Rohde, die übrigens die Inspiration zu diesem Buch war, da sie selbst an chronischer Schlaflosigkeit leidet. Allerdings ist mir ein signifikanter Unterschied aufgefallen: die Bilder von Lydia illustrieren nur, sie zeigen Grafiken und Diagramme der verrückten Dinge, ab und zu sind auch ein paar Buchstaben bunt, alles sehr hübsch, aber nicht so mitreißend detailliert wie die Bilder von Moers himself. Nunja, und dann reisen sie durch das Gehirn und schlagen sich von Etappe zu Etappe, aber irgendwann hatte ich völlig vergessen, wieso die zwei überhaupt in dem Gehirn rumrennen.

 

Kurz gesagt: ich bin zutiefst betrübt und enttäuscht, dass für diese langweilige Wortklauberei der nächste Zamonienroman in ungreifbare Ferne rückt. Das ist ja schlimmer als Ensel & Krete. Ich habe es auch nicht fertig gelesen, es hat mich einfach nur noch demotiviert, einem Kind und einem Griesgram beim Wandern zuzulesen.

 

"Auf dich scheint der Mond! Du leuchtest, aber du hast auch eine dunkle Seite. Du bist auserwählt!"

 

~ Lilith ~

16.01.18


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