Die Geschichte der O ♠♠♠♠

 

Das Cover zeigt die aktuelle Neuauflage 2013 mit samtenem Schutzumschlag und changierendem Einband.

 

Enthalten sind das Vorwort von Jean Paulhan, "Die Geschichte der O", Vorwort von Pauline Réage und "Rückkehr nach Roissy".

 

 

 

Die junge O (ja, das ist wirklich ihr Name) wird eines Tages von ihrem Geliebten Rene auf ein geheimnisvolles Schloss in Roissy gebracht. Dort werden ihr Regeln für ihre Kleidung, ihre Körperhaltung und ihren Geschlechtsverkehr auferlegt, die sie künftig zu befolgen hat. Aus Liebe zu ihrem Rene lässt O all das über sich ergehen und darf Roissy schließlich mit ihm verlassen.

 

Doch Rene hat weitere Pläne für O und bietet sie seinem Mentor Sir Stephen an.


Auch mit Sir Stephen versteht O sich gut und so beginnt sie, ihn zu lieben und Rene zu vergessen. Doch dann schickt Sir Stephen sie erneut auf Ausbildung...

 

Das Ende von "Die Geschichte der O" hat mich sehr verstört. Es erscheint logisch, dass sie für ihre Liebe alles aufgeben würde, doch musst ich schlucken und mich überwinden, "Rückkehr nach Roissy" lesen zu wollen.

Der zweite Teil endet dann aber glimpflicher für O.

 

 

Der Klassiker der erotischen (BDSM-) Literatur überhaupt. Os Liebe zu ihren Meistern mag manchem naiv und dumm erscheinen, doch sie bekommt, was sie will und sie kämpft dafür. Ihre Leidenschaft könnte ansteckend sein, wären die (Miss-)Handlungen auf Roissy nicht so (für meinen Geschmack) krass. Das Buch ist definitiv nicht für Minderjährige geeignet, wer sich für 50 Shades und Co interessiert, könnte hier jedenfalls an seine Grenzen stoßen.

 

Durch seine krassen Szenen bietet das Buch gute Anhaltspunkte, um sich darüber klarzuwerden, was man von seinem Partner erwartet und wie weit man in der Szene gehen will. Auch als Diskussionsgrundlage mit dem Partner dürfte es hervorragend geeignet sein.

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Santiago (Dienstag, 09 September 2014 15:51)

    "Wer sich für 50 Shades und Co interessiert, könnte hier jedenfalls an seine Grenzen stoßen."

    Dieser Satz macht mich sehr nachdenklich...

    Grundsätzlich verstehe ich sehr genau was und wie Du das meinst, ja mehr noch, ich sehe es sogar genauso. Für Unerfahrene, Unbedachte, die lediglich leichtfertig dem aktuellen Hype um 50 Shades und das komplexe, tiefgründige Thema BDSM folgen ohne sich damit richtig und bewusst auseinanderzusetzen, dürfte "Die Geschichte der O" höchst schockierend und grenzwertig sein. Das kann ich aus tiefster Überzeugung so unterschreiben.

    Die beiden Werke ganz neutral vergleichend fällt jedoch auf dass die Erlebnisse und Maßnahmen bei der O körperlich viel krasser sind aber immer mit freiem Willen erfolgen. Welchem Alptraum sich O auch immer aussetzt, sie tut es aus bedingungsloser Liebe, inniger Hingabe aber vor allem aus freien Stücken. Sie wird immer wieder von ihren Meistern gewarnt, bewahrt jedoch ihren freien Willen. Such wenn.ihre Erlebnisse krass und ihre Entscheidungen schwierig nachvollziehbar erscheinen, letztendlich ist sie frei.und ihr freier Wille wird respektiert. Bei 50 Shades hingegen erleben wir eine grausame Geschichte von rücksichtsloser Nötigung und emotionaler Erpressung, fast schon an Vergewaltigung grenzend. Da jedoch die physischen.Foltern milder erscheinen, betrachten wir es als softer und mainstreamtauglicher.

    Mit Entsetzen und einer Verbeugung an Gail Dines beobachte ich im Fall von 50 Shades wie entspannt, sorglos und tolerant unsere Gesellschaft der Nötigung, Erpressung und dem eiskalten Brechen des Willens einer hilflosen jungen Frau begegnet, sobald der Täter männlich, gutaussehend und erfolgreich ist, während die Emanzipation einer reiferen, starken Frau, die nicht länger den Erwartungen und Normen der Gesellschaft folgen sondern ihren eigenen Weg bestimmen möchte, mit Abscheu und Empörung verachtet, weil man ihren Weg nicht versteht.

    Willen

  • #2

    Adam (Mittwoch, 10 September 2014 13:44)

    Wieder einmal eine sehr schöne Rezension, liebe Lilith,
    und insbesondere Dein letzter Absatz trifft des Pudels Kern.

    Ich glaube mit diesem Denkanstoß gibst Du Deinen Lesern den Schlüssel um die Geschichte der O in vollem Ausmaß erfahren und begreifen zu können.

    Die Geschichte der O ist Literatur, kein Handbuch oder gar Bedienanleitung,
    ihr Zweck ist jener zu begeistern oder aber abzustoßen - und womöglich sogar beides im Wechsel - auf jeden Fall aber zum Nachdenken anzuregen.

    Wer die Geschichte der O richtig und offenen Geistes liest, erfährt weniger über die Welt des BDSM, von welcher ohnehin nur sehr wenige, grenzwertige Facetten dargestellt werden und somit ein verzerrtes, extremes Bild wiedergeben, als vielmehr über sich selbst (und vielleicht - hoffentlich - den eigenen Partner), die eigenen Ansichten, Neigungen und Grenzen.

    Und was vermag wahre Kunst schöneres zu vollbringen als uns zur Weisheit und Selbsterkenntnis zu führen?