David Benioff - Stadt der Diebe

Leningrad, 1942: Die Menschen der Stadt, die von den Deutschen belagert wird, sind vollkommen ausgehungert. Zu ihnen zählt auch der 17jährige Lew, halb Jude, halb Waise. Seine Mutter und seine kleine Schwester haben die Stadt vor Monaten verlassen, doch er wollte nicht, wollte in Leningrad bleiben. Eines nachts landet ein toter deutscher Fallschirmspringer in der Nähe von Lews Wohnblock und er in die anderen Jugendlichen fleddern die Leiche. Dummerweise ist das aber verboten und auch wenn alle anderen der Polizei, die sie dabei erwischt, entkommen können, Lew kann es nicht. Er kommt ins Gefängnis. In der gleichen Nacht wird ein anderer junger Mann, wenige Jahre älter als er, in seine Zelle gesteckt. Kolja (Nikolai Alexandrowitsch Wlassow), so der blauäugige, blonde, unglaublich charmante Kerl, sagt, er war gerade dabei, seine Dissertation zu verteidigen, die Soldaten nennen ihn jedoch Deserteur.

Beide erwarten, am nächsten Morgen erschossen zu werden. Doch es kommt anders, der leitende Oberst stellt ihnen, im Austausch gegen ihr Leben, eine Aufgabe: Bringt mir ein Dutzend Eier.

Die beiden machen sich in Leningrad auf die Suche nach Eiern und erleben unter anderem den Wahnsinn und die Traurigkeit der hungernden Stadt. Als sie zwar ein Huhn finden, dieses sich jedoch endlich als Hahn entpuppt und ihnen die Zeit davon läuft, beschließen sie, bzw. Kolja beschließt und Lew hat keinen besseren Plan, Leningrad zu verlassen und nach Mga zu wandern, wo es, zumindest vor dem Krieg eine Geflügelfarm gab. Sie machen sich auf den Weg und auf ihrer Reise werden sie nicht nur wirkliche Freunde, sie begegnen auch mehrfach den Schrecken und Opfern des Krieges, Partisanen, der großen Liebe Lews und einem hervorragenden und grausamen Schachspieler.


Wäre das Buch nicht in einer so bezaubernden und amüsanten Art geschrieben, es wäre schwierig, es zu Ende, oder nur bis zur Hälfte zu lesen, da der Autor bei seiner Darstellung der Kriegs- und Gewaltszenarien kein Blatt vor den Mund nimmt.

Trotzdem ist ein sehr lesenswertes Buch, das dem geneigten Leser zeigt, dass es sich in schwierigen Situationen lohnt, wenigstens einmal vorwärts zu gehen, der Rest wird sich dann schon finden. Irgendwie.


Sarabandi

4.8.15


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