Sven Urban: Die Sprache der Zeit ♠♠♠♠

Oskar ist ein Anwalt, wie man ihn nur am Grund des Meeres sehen möchte: immer schwer beschäftigt, nimmt er sich genauso wichtig wie seine motorisierte Schwanzverlängerung. Nun hat sein Arbeitswahn endgültig zum Bruch mit seiner Frau geführt. Seine kleine Tochter ist am Boden zerstört.

Als Oskar eines Tages zur Arbeit will, wird der Eingang von einem großen Flohmarkt blockiert. Ein komischer Kauz (der verdächtig aussieht wie der Kerl auf dem Cover) will ihm ein altes Buch andrehen, doch Oskar wimmelt ihn ab. Am Abend findet er dennoch eben jenes Buch in seiner Aktentasche - wie kam es dorthin? Und was erst alles passiert als er es aufschlägt! Ein wilder Ritt durch die eigene Vergangenheit reißt Oskar ohne Atempause aus seiner Routine, hurra!

 

Ab und zu kommt es vor, dass mich ein Selfpublisher anschreibt, ob ich nicht sein Buch lesen will. Leider sind das meist Menschen, die sich den Seitenhain nicht angesehen haben und sowas wie Politthriller empfehlen - wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht mal ohne Brille lesen würde. Und das zu meiner eh schon skeptischen Haltung gegenüber Selfpublishern.

Umso begeisterter war ich deshalb von Sven Urban, der sich nicht nur gründlichst mit dem Seitenhain beschäftigt hat, sondern mir sogar meine eigenen Worte um die Ohren schrieb. In seinem Anschreiben betonte er die Gemeinsamkeiten des Blogs und seinem Buch: ein Buch über Bücher, Fantasy und ein großer, magischer Baum. Wie hätte ich da absagen sollen?

 

Dass der Hauptcharakter in sein Abenteuer eher unfreiwillig stolpert, ist nichts wirklich Neues - doch dass er erst auf den letzten Seiten erfährt, was seine Mission ist (und es nicht die Rettung einer Welt ist), war erfrischend neu - und super süß.

Man merkt, dass Herr Urban Fan von Neil Gaiman ist, auch er versucht sich an der musischen Sprache und die Flohmarktszene kam mir verdächtig bekannt vor.

Leider waren noch einige Fehler im Buch, es hat das Lesevergnügen etwas gemindert, mit dem Bleistift in der Hand zu lesen. Ich werde das Buch dennoch wärmstens weiterempfehlen, denn es ist mit viel Liebe zu Büchern geschrieben worden - und dieser Liebe kann und will ich mich nicht widersetzen.

Welche Sprache die Zeit spricht, ist mir allerdings immer noch nicht ganz klar... Liebe? Kisuaheli? Baumisch?

 

"Für ein gutes Buch hat man immer Zeit!", beharrte die Stimme. "Oder man nimmt sie sich."

 

~ Lilith ~

20.09.18


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Kommentare: 1
  • #1

    Adam (Donnerstag, 20 September 2018 21:34)

    Ganze 4 Blätter? Wow!
    Und wenn unsere Lilith eine Plotentwicklung als erfrischend bezeichnet, dann will das was heißen.
    Ich freue mich schon sehr darauf es in Kürze als nächstes zu lesen!