N. K. Jemisin: Broken Earth Saga

1. Zerrissene Erde ♠♠♠♠

Herzlichen Dank an Frau Kessler für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

 

Seitdem ich bei Feder & Schwert arbeite, hört meine neue Kollegin nicht auf, von dieser Serie zu sprechen - also musste ich sie mir natürlich ansehen. Und wow - bereits die Widmung ist eine ordentliche Kampfansage:

"Für all jene, die um den Respekt kämpfen müssen, den alle anderen einfach so erhalten."

 

Eine Seite weiter haut einen der erste Satz aus den Schuhen:

"Beginnen wir mit dem Ende der Welt, ja?

Bringen wir es hinter uns und wenden uns dann wir uns dann interessanteren Dingen zu."

 

Die Geschichte in der Welt "Stille" wird aus drei Perspektiven erzählt: Essun, die nach dem Tod ihres Sohnes verzweifelt ihre Tochter sucht (erzählt durch Ansprache des Lesers, sodass man beim Lesen quasi Essun wird), Damaya, die zu einer ordentlichen Ausbildung von Zuhause weggeholt wird und Syenit, die sich auf einer gefährlichen Mission befindet. Drei Frauen in drei unterschiedlichen Abschnitten eines Lebens - nicht der übliche Young Adult-Teenie-Stress. Erfrischend!

Dreh- und Angelpunkt des ersten Bandes ist das Fulkrum: hier werden Menschen hingebracht, die mit ihren Gedanken Erde bewegen können. Wenn sie nicht rechtzeitig lernen, sich zu kontrollieren, können sie ihre Umgebung vereisen und somit töten, daher haben die anderen Bewohner der Stille Angst vor ihnen und jagen die sogenannten Ortogenen regelrecht. Alle drei Frauen sind Ortogene und haben somit etwas mit dem Fulkrum zu tun: Damaya, die zur Ausbildung abgeholt wird; Syenit, die in ihrer Ausbildung bereits weiter ist und auf eine erste Mission geschickt wird; und Essun, die ihre Fähigkeiten versteckt, aber nicht verhindern kann, dass ihre Kinder sich unbewusst verraten.

Und während diese drei Frauen um ihr eigenes Überleben kämpfen, passiert ein kolossales Erdbeben und ein Vulkan bricht aus - eine sogenannte Fünftzeit wird ausgerufen, Katastrophenalarm, und gesellschaftliche Regelungen gelten nicht länger. Die Erde wehrt sich gegen die Plage Menschheit...

Ich kann euch leider nicht viel mehr erzählen, da es im letzten Drittel mehrere Plottwists gibt, die ich natürlich nicht verraten möchte. Es gibt allerdings ein offenes Ende, ich bin also gespannt, wie es mit Essun und ihrer Welt weitergeht.

 

Ehrlicherweise muss ich natürlich sagen, dass ich es eigentlich nicht mag, wenn in Fantasywelten neue Begriffe erfunden werden, die wie selbstverständlich verwendet werden, man aber warten muss, bis sie im Kontext erklärt werden. Aber bei diesem Buch ist es so geschickt und unauffällig eingeflochten, dass es mich nicht genervt hat.  Jemisins Schreibstil ist malerisch und wundersam, das ist mir bisher nur bei Neil Gaiman begegnet - ja, manchmal etwas ausschweifend, aber immer informativ.

Was mich allerdings irritiert hat war, dass die Erde - im Sprachgebrauch ja Mutter Erde - immer als Vater Erde benannt wurde. Das war etwas gewöhnungsbedürftig, aber bei den vielen neuen Begriffen dieser Welt auch kein Problem.

Es ist ein Genremix, nicht direkt Fantasy, aber auch keine richtige Science-Fiction, eher eine apokalyptische Neuerschaffung der Welt.

 

Schön gelungen ist auch die Aufmachung des Buches: vornedrin ist eine Karte und hintendrin ein ausführlicher Anhang mit Glossar und Chronologie der Fünftzeiten.

 

Lilith

~13.08.18 ~