Alice im Wunderland - Übersetzer*innen

Natürlich gibt es einige Ausgaben für Kinder, die es sich einfach machen und die Geschichte kurz und knapp nacherzählen. Doch hier geht es um diejenigen, die sich die Mühe machen, Alices Abenteuer worttreu ins Deutsche zu übertragen, sich mit den Gedichten quälen und über den viktorianischen Nonsense rätseln.

Ich finde, es gibt 3 Optionen, die verrückten Gedichte ins Deutsche zu übertragen:

  1. Da es sich meist um Nonsense handelt, kann man auch Nonsense übersetzen. Ob man dabei versucht, das Reimschema zu erhalten oder sein eigenes baut, bleibt dem Übersetzer überlassen.
  2. Da sich manche davon auf Kinderreime und Lieder beziehen, kann man entweder versuchen, diese englischen Kinderklassiker ins Deutsche zu übertragen oder deutsche Kinderreime anpassen.
  3. Man übersetzt einfach von Englisch in Deutsch ohne Rücksicht auf Reimschema- oder Sinn-Verluste.

 

Der Vollständigkeit halber hier die anwesenden Übersetzer der anderen Editionen:

~ Ilse Bintig (Nacherzählung)

~ Gundula Müller-Wallraf (allerdings nur von "Alice hinter den Spiegeln")

~ Ingrid Pabst (Nacherzählung)

Ich brauche unbedingt noch eine Übersetzung von Antonie Zimmermann, der allerersten Übersetzerin.

 

Hier die originalen Passagen. Ich werde je drei Gedichtpassagen vergleichen:

  1. "You are old, Father William", aus dem Gespräch mit der Raupe
  2. "Twinkle, twinkle, little bat", vom Hutmacher
  3. "The Queen of Hearts, she made some tarts" bei der Gerichtsverhandlung

Angelika Eisold-Viebig

Frau Eisold-Viebig hat sich für einen Übersetzungsmix entschieden. Meist ging sie nach der Variante, deutsche Kinderlieder als Vorlage zu benutzen. Aus Father William wurde "Mein Vater war ein Wandersmann", die kleine Fledermaus wurde zu Entchen und nur das Törtchengedicht wurde reimgetreu übersetzt.

 

Bonus: Das Krokodilgedicht ist einfach zu beknackt, um es euch vorzuenthalten.

Christian Enzensberger

Herr Enzensberger hat sich für die Wahnsinns-Methode entschlossen und versucht, möglichst nah am Original zu bleiben, aber eigene Beklopptheiten einzubauen.

Tanika Fey

Tanika Fey hat sich das Mammutprojekt vorgenommen, Alice nicht nur zu illustrieren, sondern auch selbst zu übersetzen und ihren Traum per Kickstarter zu realisieren.

Sie hat sich bei ihren Übersetzungen für Variante 3 entschieden und sich möglichst nah am Original orientiert.

Lieselotte & Martin Remané

Diese Ausgabe ist besonders bunt: Cover von Chris Riddell, Illustrationen im Innenteil aber von Klaus Müller. Übersetzung des Textes von Lieselotte Remané, aber die Gedichte von Martin Remané.

 

Herr Remané hat sich ebenfalls eher am Original orientiert.

Ingrid Strasser

Ingrid Strasser ist eine inkonsistente Übersetzerin. Das Gedicht von Father William hat sie gar nicht angerührt und dafür den Kinderreim, an den sich Alice nicht erinnern konnte, an einen deutschen angepasst - dafür hat sie das nur vierzeilige Gedicht über die Törtchen erheblich ausgebaut.

Barbara Teutsch

Von Barbara Teutsch habe ich tatsächlich zwei Übersetzungen vorliegen!

 

In dem Buch mit Illustrationen von Tony Ross operiert sie nach Variante 3: Original treu übersetzen.

Doch in dem Buch mit den völlig bekloppten Illustrationen von Wiebke Rauers übersetzt sie auch völlig meschugge (und steuert ein Nachwort zu Alice-Übersetzungen und ihren Versionen bei!).


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zuletzt aktualisiert 05.12.2019