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LBC - LitBlogConvention 2019

Gestern fand in Köln die jährliche Bloggerversammlung LitBlogConvention im Haus des Bastei Lübbe Verlags statt.

Das Programm bot abwechslungsreiche Themen und Redner aus allen Bereichen der Verlagsbranche waren vertreten.

Im Schanzenviertel in Köln ragt der Lübbe-Kamin in den strahlenden Morgenhimmel. Ich bin früh unterwegs, habe die 10 Uhr auf der Einladung als Beginn gedeutet, doch es ist erst Einlass. Zur Begrüßung gibt's ein Disco-Armband und eine prall gefüllte Goodie-Bag, diese enthält 4 Bücher, einen goldenen Kugelschreiber, Drama-Lama-Kekse (bwahaha!), ein süßes Bonbongläschen mit Logo, Tee und diversen Kleinkram. Die bringe ich erstmal zurück ins Auto.

Das Foyer ist für einen Verlag passend gestaltet: eine Wand voller Bücher, eine Wand mit den Namen der Bestseller-Autoren und ein VW-Bully mit Fotobox.

Langsam versammelt sich die lesewütige Meute und die #Litblogcon19 geht los!

 

Da es so viele Veranstaltungen gab und alle parallel stattfanden, stelle ich euch hier das Programm rein, damit ihr seht, was ich verpasst habe:

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LBC Zeitplan
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0. Begrüßung

Ich dachte ja, ich bin in der Bloggerszene nicht sehr bewandert, doch habe ich einige bekannte Gesichter entdeckt. Judith & Christian Vogt begegnen mir, die liebe Schwarzbuntgestreift (die ich auf der Büchermeile kennengelernt habe) ist von einer Meute befreundeter Bloggerinnen umwölkt und, als Überraschung des Tages, treffe ich Valerie wieder, mit der ich Buchwissenschaft studiert habe. Außerdem erkenne ich Lea von Liberarium und die zwei von Game of Books wieder. Wunderbar!

Nachdem die Vögte und ich den Fotobully unsicher gemacht haben und kurz der Begrüßungsansprache gelauscht haben, beginnt der allgemeine Ansturm auf die Vortragsräume. Ich habe vor der Anmeldung in alten Berichten gestöbert und wusste daher, dass Plätze gern mal knapp werden - daher lieber die Treppe nehmen, als auf den Aufzug warten!

Notiz Nr. 1: Mehr Ausdauertraining machen. Fünf Stockwerke am frühen Morgen schaffen mich dann doch. Dafür habe ich einen Platz an vorderster Front ergattert für den ersten Tagesordnungspunkt:

1. Diversität in der Phantastik

Das ist doch schön, wenn man zu einem unbekannten Event geht, aber direkt ein paar bekannte Gesichter dabei hat. Zur Einstimmung beschäftigten sich Julia Abrahams (ich habe früher mal für Schmidt & Abrahams Manuskripte beurteilt), Akram El-Bahay (den ich von PAN-Treffen kenne) und die bereits bekuschelten Judith & Christian Vogt mit Diversität und Inklusivität in der Phantastik.

Nach einer Einführung von Julia und einer Erklärung, worum es bei Diversität überhaupt geht (Werden beispielsweise diverse Charaktere genauso dargestellt wie nicht-diverse?), folgte eine spannende Fragerunde.

Akram legt mit seinem ägyptisch-deutschen Hintergrund immer Wert auf diverse Charaktere und ich habe sein Buch "Bücherstadt" schon länger auf meiner Wunschliste - ihr wisst ja, ich liebe Bücher über magische Bücher!

 

"Stereotypen ersparen Autoren lange Erklärungen, aber wir müssen uns diese Stereotypen bewusst machen und sie brechen, beziehungsweise damit spielen." ~ Judith Vogt

 

 

Interessant fand ich, dass das klassische Gut/Böse-Schema in Märchen eine europäische Besonderheit ist. Akram erklärt, dass es in arabischen Märchen fast nie DEN Bösewicht gibt, sondern alle Figuren Grauschattierungen haben.

 

"Ein Buch ist ein 400-Seiten-Monolog des Autors - man bekommt so oder so seine Wertvorstellungen mit."

~ Akram El-Bahay

 

Überhaupt war die ganze Diskussion wahnsinnig interessant und wichtig. Den Bechdel- und Sexy-Lamp-Test kannte ich ja schon, aber dass es letzteren auch für LGBT*-Charaktere gibt (nennt sich Vito-Russo-Test) gibt, wusste ich noch nicht: Existiert ein Charakter nur, damit man Diversität beanspruchen kann oder tut der Charakter auch was Wichtiges?

In der anschließenden Fragerunde mit dem Publikum kam auch die Sprache darauf, dass aktuell sehr auf Own Voices und sexuelle Repräsentation Wert gelegt wird, dass aber behinderte Repräsentation untergeht. Dazu sagten die Autoren, dass sie sich gar nicht zutrauen würden, beispielsweise einen autistischen Charakter zu schreiben, dass aber in einem kommenden Buch der Vögte ein bipolarer Charakter vorkommen wird.

 

Umso schöner, als wir am Ende Leseexemplare von "Die 13 Gezeichneten" und "Bücherkönig" mitnehmen durften, um direkt nachzulesen, wie die drei diverse Charaktere umsetzen. Leider ist das jeweils der 2. Teil... da muss ich wohl doch shoppen gehen. Es folgte eine Selfie- und Autogrammrunde, bevor alle zu ihrem zweiten Tagespunkt aufbrachen.

2. Joe Fischler

Eigentlich wollte ich als zweites zu "Wie organisiert man eine Buchmesse", aber Raum Silvia scheint etwas zu klein zu sein für all die Interessenten. Ich sehe mir also stattdessen Joe Fischler an, ein österreichischer Autor, der jetzt bei KiWi einen Cozy Krimi namens "Der Tote im Schnitzelparadies" veröffentlicht hat.

Das Gespräch mit seiner Lektorin Stephanie Kratz ist entspannt und unterhaltsam, sie sprechen tatsächlich den gesamten Entstehungsprozess durch. Von seiner bisherigen Karriere (er war eigentlich Banker, dann Blogger und hielt sich unter anderem mit dem Schreiben von Hasenstall-Bauanleitungen über Wasser), über das Finden seines Agenten, zur Lektoratsrunde in einer malerischen Berghütte bis zur Titelfindung beim Schnitzelessen ist alles dabei.

Er ist nun glücklich mit der Krimi-Schreiberei, der zweite Band wird nächstes Frühjahr erscheinen.

 

Auch wenn ich mich gerade mit Cozies anfreunde, habe ich dieses Buch nicht mitgenommen - es entspricht einfach keiner meiner drei Jagdkriterien (Schottland / magisch / bibliophil).

3. Mittagspause

Nach all dem Input ist eine Pause genau das richtige. Doch auch wenn jetzt kein Vortrag stattfindet, gibt es weiter viel zu entdecken.

Es gibt ein kaltes Buffet aus Schnittchen und göttlichen Cupcakes, dekoriert mit Sponsorenlogos.

Während man daran knabbert, kann man die Verlagsstände besuchen, Vorschauen und Leseexemplare mitnehmen oder beim Glücksrad mitspielen - ich ergattere einen Hauptgewinn und darf mir von jedem Verlag ein Buch aus dem gesamten Programm aussuchen. Yeah, was braucht ein Buchnerd mehr! Dennoch muss ich mich noch etwas gedulden - ich darf daheim die Programme durchstöbern und kriege sie dann zugeschickt.

Ich bin allerdings ein Mensch, der zwischendurch was Warmes im Bauch braucht, um nicht zusammenzuklappen, also springe ich kurz ins Auto und fahre um die Ecke zum Magges. Klappt prima und ich bin pünktlich zum nächsten Tagespunkt zurück:

4. April Dawson

Gut, fast pünktlich - auch um 14 Uhr ist Raum Silvia zum Vortrag über internationale Lizenzen überrannt, also schleiche ich mich noch bei April Dawson rein. Wie Joe Fischler lebt sie in Österreicher und unterhält sich angeregt mit ihrer Lektorin, Katharina Schmidt. Scheint heute mein Thema zu sein.

 

Eine lebhafte rothaarige Mama und Autorin, hat sie ihren Weg zu Lyx über Wattpad und das (damalige) Lyx Storyboard gefunden.

 

 

Ihre Tipps für angehende Autoren sind dreierlei:

1. (Natürlich) Dranbleiben und nie aufgeben und nicht unterkriegen lassen.

2. Mit anderen Autor*innen vernetzen und austauschen.

3. Viel lesen und Szenen, die euch gefallen, genau analysieren, um sie selbst umsetzen zu können.

Inspirationen holt sie sich von Pinterest-Boards (Fotos von halbnackten Männermodels sind also nur Recherche, räusper), anderen Lyx-Autoren und vor allem Spotify - wie bei vielen Autor*innen spielt Musik eine erhebliche Rolle beim stimmungsvollen Schreiben.

 

Da ich nicht so die Romance-Leserin bin, nehme ich auch dieses Buch ("Up All Night") nicht mit, sondern mache mich frühzeitig davon, um endlich einen Platz in Raum Silvia zu erhaschen zum

5. 100FrauenProjekt

Ich sitze bequem, doch einige Teilnehmer sitzen auf den Fensterbänken und dem Boden. Die Räume sollte man wirklich anders verteilen - hier gibt es 6 Stockwerke und sie wählen 3 Räume aus, in die nur 20 Leute passen?

 

Anyway, jetzt präsentieren uns die drei Illustratorinnen Eva Feuchter, Annegret Ritter und Janina Röhrig ihr feministisches 100FrauenProjekt. Die drei Stadien des umfangreichen Projekts, das zum Termin "100 Jahre Frauenwahlrecht" 2018 100 wichtige deutsche Frauen der letzten 100 Jahre porträtierte, werden von je einer Illustratorin erklärt.

 

Eva Feuchter stellt uns die Anfänge dar: In einem Instagram-Projekt sollte je eine wichtige Frau aus dem deutschen Raum von einer deutschen Illustratorin porträtiert werden. Das Projekt kam gut an und so machten sich die drei Organisatorinnen auf, einen Verlag zu finden, der die wunderschönen Porträts permanenter veröffentlichen würde.

Annegret Ritter stellte schließlich den Kontakt zu Jacoby&Stuart her, die auch Benjamin Lacombes Bücher veröffentlichen und bei denen ich jedes Mal schwach werde. Es wurde sich auf ein Format geeinigt, Bildrechte eingeholt und pünktlich zum Jahrestag veröffentlicht.

Als sei das noch nicht genug, gibt es außerdem eine Wanderausstellung der Exponate (chronologisch geordnet!) und demnächst auch einen Kalender (S. 49) bei Dumont.

 

Ein ganz schönes Mammutprojekt, Respekt vor den drei Damen und ihren Ambitionen! Das Buch ist mir tatsächlich neulich begegnet, aber da ich mit meinem Rebel-Princesses-Vergleich schon ähnliche Titel gelesen habe, werde ich das wohl erstmal nicht weiter verfolgen.

Hier gab es keine kostenlosen Bücher oder Kalender zum Mitnehmen.

6. Simone Lappert

Als letzten Tagespunkt habe ich mir "Schreiben mit allen fünf Sinnen" ausgesucht, präsentiert von der Autorin Simone Lappert und ihrer Lektorin Kerstin Beaujeau.

Nach einer kurzen Einführung las Simone aus ihrem neuen Buch "Der Sprung". Es handelt von einer Frau, die auf einem Dach steht und springen möchte, erzählt aus den diversen Perspektiven der sie beobachtenden Menschen. Simones Schreibweise hat alle tief beeindruckt und sie empfiehlt, man sollte Beschreibungen nicht primär mit den Augen leisten.

So machen wir als nächstes eine Schreibübung: Als einzige Teilnehmer am heutigen Tag dürfen wir auf die hauseigene Dachterrasse und sollen dort, mit verbundenen Augen, fünf Minuten mit fünf Sinnen lauschen. Anschließend unsere Eindrücke aufschreiben und, zurück im Raum Ken, mit den anderen teilen.

 

Die Dachterrasse ist wunderschön, überall grün und Sitzmöbel. Es ist warm und die Übung spricht bei dem Lärm der Straße vor allem den Hörsinn an. Ich habe meinen Text nicht mit der Gruppe geteilt, stelle ihn aber unten rein, wen es interessiert. Wie gesagt, es ist nur eine Übung und erhebt keinen literarischen Anspruch.

Dennoch war es extrem interessant, wie die Teilnehmer in derselben Situation völlig unterschiedliche Dinge wahrgenommen haben und dann noch unterschiedlicher vertextet haben. Eine schrieb gar nicht über die Terrasse, sondern über die anstrengende Treppe dorthin. Eine andere dachte daran, wann wohl das Buffet eröffnet wird. Es fasziniert mich immer wieder, wie unterschiedlich Menschen denken.

 

Da mich der Schreibstil so fasziniert hat, nehme ich ein Leseexemplar mit - natürlich signiert.

7. Ausbeute und Nachlese

Nachdem alle Workshops geendet haben, ist im Foyer großes Socializing und anschließend warmes Buffet.

Da ich noch nie die große Quatscherin war (Hilfe, fremde Menschen!) und meine Couch ruft, spare ich mir das.

 

Insgesamt ein wirklich gelungener Tag - bis auf die Raumverteilung - mit netten Menschen, sympathischen Autoren, tollen Büchern, schöner Location und amüsanten Anekdoten. Die Zeit ging rasend schnell rum und ich habe mich keine Sekunde gelangweilt.

 

 

Beute:

~ Charlotte Lucas: Fünf Sterne für dich

~ Alina Bronsky: Der Zopf meiner Großmutter

~ Alexander Oetker: Zara und Zoe

~ Katrine Engberg: Blutmond (geiles Cover!)

~ Akram El-Bahay: Bücherkönig

~ Vögte: Die 13 Gezeichneten 2

~ Simone Lappert: Der Sprung

~ Leseprobenbuch von Droemer Knaur

~ Taschenkalender 2020

~ Leinengebundenes Mini-Notizbuch

~ plus natürlich mein Hauptgewinn, den ich zu gegebener Zeit verkünden werde

Bonus: Meine Schreibübung

Ich stehe auf einem Dach mitten in Köln. Mein Puls rast.

Trotz des Windes gewinnt die Sonne an Stärke. Mein Rücken ist warm.

Der Wind ist fleißig, er kitzelt mich mit meinen eigenen Haaren. Verräter.

Drei Vögel zwitschern gegen das Dröhnen eines Generators an.

Vertrocknetes Gras raschelt unter meinen Fingern, rau und rissig, wie ungepflegte Hände.

Ich schmecke das Quellwasser vom Mittag, im Gegensatz zu hupenden Autofahrern hat es keine Eile, zu verschwinden.

Auch ich möchte noch verweilen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Adam (Sonntag, 19 Mai 2019 18:48)

    Na, das klingt nach einer wirklich tollen und sehr gelungenen Veranstaltung - und einer guten Empfehlung!

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zuletzt aktualisiert 24.06.2019